Ob zu Fuß, bei einem Klassenausflug, mit dem Bus oder einem Firmenfahrzeug des Betriebes, auf dem Weg zur (Berufs-)Schule oder zur Ausbildungsstätte – Jugendliche und junge Erwachsene sind täglich im öffentlichen Raum unterwegs. Laut Statistischem Bundesamt verunglückten im Jahr 2025 über 20.000 junge Menschen zwischen 15 und 18 Jahren im Straßenverkehr – auch auf ihren Wegen zur Schule oder zum Ausbildungsbetrieb. 66 Jugendliche kamen dabei ums Leben. Wir möchten Sie daher dabei unterstützen, verkehrssicheres Verhalten, Empathie und Verantwortungsübernahme anschaulich und alltagstauglich in die Ausbildung bzw. in den Schulunterricht zu integrieren.
Klare Regeln wie „Auf die eigene Lautstärke achten“, „Keine Rangeleien oder Drängeln“ oder „Rücksicht auf andere nehmen“ können gemeinsam mit Schüler*innen und Auszubildenden erarbeitet und reflektiert werden. Dabei hilft es, konkrete Alltagssituationen zu besprechen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Jedes der hier dargestellten Themen bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Unterricht sowie Dienstbesprechungen oder Ausbildungseinheiten.
Lehr- und Lernmedien zum Thema
Fünf Tipps für entspanntes und sicheres Fahren im ÖPNV
Bus- oder Bahnfahren (auch Regional-, S- oder U-Bahnen) und der Aufenthalt an Haltestellen gehören für viele Schüler*innen zum Schulalltag. Dabei kommt es immer wieder zu Unsicherheiten und gefährlichen Situationen. Um frühzeitig über sichere Verhaltensweisen, ein entspanntes Miteinander und grundlegende Regeln aufzuklären, bietet es sich an, das Thema aktiv im Unterricht zu behandeln.
1. Früh genug losgehen
Plane genügend Zeit ein, damit du ohne Eile zur Bushaltestelle kommst. Lieber fünf Minuten früher ankommen, als in letzter Sekunde losrennen.
2. Alles am Abend zuvor vorbereiten
Packe deine Schultasche und lege wichtige Dinge wie Busfahrkarte (häufig ein Schülerticket) oder Schlüssel bereits am Vorabend bereit. So startest du stressfreier in den Tag.
3. Pufferzeit einbauen
Rechne kleine Verzögerungen mit ein, z.B. für den Fall, dass es beim Anziehen länger dauert oder du noch etwas holen musst.
4. Ruhe bewahren beim Ein- und Aussteigen
Drängeln und Schubsen bringen niemanden schneller ans Ziel – im Gegenteil: Wer ruhig bleibt, sorgt für mehr Sicherheit für alle. Lass andere Menschen, vor allem Ältere oder Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren oder Kinderwagen in Ruhe ein- und aussteigen. Das ist sicherer für alle.
5. Rücksicht nehmen
Achte auf andere Fahrgäste. Mache etwas Platz, wenn jemand mit einem Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen einsteigen möchte. Vielleicht kannst du jemandem auch deinen Sitzplatz anbieten, wenn die Person ihn dringender benötigt. Freundlichkeit und Empathie machen unsere täglichen Wege für alle angenehmer.
Verantwortung füreinander - Gegenseitige Rücksichtnahme
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Klassenausflüge machen Spaß, sind gemeinsame Erlebnisse, fördern die Gemeinschaft sowie das soziale Miteinander. Gleichzeitig entstehen bei Ausflügen auch Herausforderungen durch individuelle Zeitplanungen und unterschiedliche Wünsche und Erwartungen aller Beteiligten. Unterschiede in der Verlässlichkeit und Pünktlichkeit einzelner Mitschüler*innen können bereits vor der Abfahrt für Spannungen sorgen.
Die Verkehrswege (z.B. Bushaltestellen, Bahnhofshallen, Bahnsteige) und die wechselnden Verkehrsmittel (z.B. Bus, S-Bahn, U-Bahn) erfordern eine gute Orientierung, Pünktlichkeit und verbindliche Absprachen. Verantwortung füreinander, gegenseitige Rücksichtnahme auch auf andere Fahrgäste und die Unterstützung der Lehrkräfte sind zentrale Elemente für das Gelingen eines Ausflugs. Umso wichtiger ist es, im Vorfeld klare Vereinbarungen zu treffen, Pufferzeiten einzuplanen und gemeinsam ein Verständnis für gruppenverantwortliches Verhalten zu entwickeln.
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Lehrkräfte und Pädagog*innen können hier ansetzen und das Thema zur gemeinsamen Reflexion nutzen:
- Wer von uns braucht welche Unterstützung?
- Wie kann ich mit meinem eigenen Verhalten dazu beitragen, dass sich andere sicher fühlen?
- Welche Regeln können wir gemeinsam festlegen, die für alle funktionieren – damit der nächste Ausflug genauso schön, aber deutlich entspannter wird?
Ein erfolgreicher Klassenausflug sowie eine tolle Klassenfahrt gelingen nicht allein durch gute Organisation der Lehrkräfte – gegenseitige Verantwortung innerhalb der Gruppe ist ebenso entscheidend. Pünktlichkeit und Umsicht Einzelner wirken sich direkt auf das Erleben aller aus. Wenn sich alle bewusst machen, dass ihr Verhalten Teil eines größeren Ganzen ist, entstehen Sicherheit, Vertrauen und echte Gemeinschaft.
Regeln beachten und Vorbild sein
Regeln erscheinen manchmal überflüssig, wenn wir ihren Zweck nicht direkt sehen oder spüren können, z.B. das Warten an einer roten Ampel an einer leeren Straße. Häufig missachten wir Regeln, wenn wir gestresst, abgelenkt oder ungeduldig sind – beispielsweise, wenn wir in Gespräche oder einen Podcast vertieft über eine rote Ampel gehen. Solche Situationen wirken auf den ersten Blick harmlos, wenn „gerade kein Auto kommt“. Doch genau dieses Denken ist trügerisch und kann ganz schnell in einem Unglück enden.
Doch Vorgaben und Regeln im Straßenverkehr basieren auf tatsächlichen Erfahrungen und Gefahrensituationen. Dass auf einem Autobahnabschnitt oder in einer Straße ein Tempolimit gilt, hat oft Gründe, die wir auf den ersten Blick gar nicht sehen, zum Beispiel Einmündungen, Schulwege oder eine erhöhte Unfallhäufigkeit. Wenn Regeln ignoriert werden, z.B. durch das Gehen über Rot, unachtsames Drängeln oder das vorzeitige Verlassen des sicheren Bereichs an der Haltestelle, können gefährliche Situationen entstehen, die nicht nur uns selbst, sondern auch andere in Gefahr bringen.
Regeln sorgen dafür, dass wir uns alle gleichzeitig sicher bewegen können, ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, im Auto oder mit dem Bus. Besonders Kinder orientieren sich am Verhalten älterer, erfahrener Mitschüler*innen oder Erwachsener. Als Schüler*in oder als Auszubildende*r sind wir oft Vorbilder für die Jüngeren, die von unserem Verhalten lernen. Wer in solchen Momenten Regeln ignoriert, setzt damit ein gefährliches Zeichen, ganz nach dem Motto „Das wird schon gut gehen“. Dabei vergessen viele: Je jünger das Publikum, desto größer die Wirkung des Vorbilds.
Vorausschauend planen, Gefahren vermeiden
Eine Berufsausbildung bedeutet oft mehr als nur einen Wechsel zwischen Schule und Betrieb. Eine Ausbildung ist auch immer ein Spagat zwischen Anforderungen, Terminen, Erwartungen und dem eigenen Anspruch, allen Dingen gerecht zu werden. Gerade wenn Auszubildende direkt nach der Berufsschule noch in den Betrieb fahren, wird der notwendige Weg zur dynamischen Übergangszone zwischen Lernumfeld und Arbeitsalltag. Dies geht mit vielen mentalen und emotionalen Herausforderungen einher.
Zeitdruck, Ablenkung und Unklarheit über Prioritäten sind typische Belastungsfaktoren im Alltag einer Berufsausbildung. Sie führen schnell zu riskantem Verhalten, vor allem im Straßenverkehr und gerade bei jungen Menschen mit noch wenig Fahrerfahrung. Dabei ist es oft nicht mangelndes Können, sondern das komplexe Handhaben paralleler Aufgaben und Anforderungen, das uns überfordern kann.
- Früher aufstehen: Stehe rechtzeitig auf und plane ausreichend Zeitpuffer für deinen Tag ein.
- To-do-Listen: Notiere dir die wichtigsten Aufgaben für den Tag oder für die Woche. So behältst du auch bei vielen Aufgaben immer einen guten Überblick.
- Kalender-App: Speichere dir die wichtigen Aufgaben und Termine mit einer Erinnerungsfunktion in deinen Handy-Kalender.
- Prioritäten setzen: Sage „nein“ zu Ablenkungen und ungeplanten Zeitfressern. Achte darauf, dass du deine geplanten Zeiten einhältst.
- Ablenkungen reduzieren: Versuche, dich auf eine Sache bzw. eine Aufgabe zu konzentrieren. Manche Menschen können beispielsweise mit Musik im Hintergrund besser lernen. Für andere ist das eine große Ablenkung. Damit dich eingehende Benachrichtigungen auf deinem Handy nicht in der Konzentration stören, stelle das Handy für die Zeit der Aufgabe einfach auf lautlos.
- Realistische Ziele: Setze dir selbst realistische Ziele. Zwei bis drei Aufgaben pro Tag sind einfacher zu planen und umzusetzen als zehn.
Wichtig ist regelmäßig Pausen, Freizeitaktivitäten und Entspannung einzuplanen. Dabei erholt sich unser Gehirn und wir sind danach viel fitter und motivierter für die nächste Aufgabe.
Unterwegs für den Ausbildungsbetrieb
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Besorgungen, Lieferfahrten oder Kundenkontakte: Viele Auszubildende übernehmen frühzeitig Aufgaben, die nicht direkt am eigentlichen Arbeitsplatz stattfinden. Das stärkt das Selbstvertrauen und die Eigenständigkeit, birgt aber gleichzeitig neue Herausforderungen. Besonders wenn der Arbeitsweg oder kleine Fahrten eigenverantwortlich erledigt werden, zeigt sich, dass Verantwortung im Straßenverkehr nicht nur eine Frage des Könnens, sondern vor allem auch der Haltung ist.
Junge Fahrerinnen und Fahrer befinden sich in einer Phase, in der sie technisch oder emotional überfordert sein können, ohne es zeigen zu wollen. Umso wichtiger ist es, die Brücke zwischen Vertrauen schenken und klarer Vorbereitung zu schlagen. Lehrkräfte und Ausbilder*innen können hier ansetzen:
- Wie schätzen sich junge Erwachsene in solchen Situationen selbst ein?
- Was verunsichert sie? Was gibt ihnen Sicherheit und welche möglichen Risiken gibt es?
Gemeinsam könnten erlebte Situationen reflektiert und in einem sicheren Rahmen besprochen werden. Verantwortung zu übernehmen ist kein Selbstläufer, sondern ein Lernprozess, der Begleitung, Reflexion und gegenseitiges Vertrauen braucht. Wenn junge Menschen diesen Prozess bewusst durchlaufen, profitieren nicht nur sie selbst, sondern auch der Ausbildungsbetrieb davon.
Werden junge Azubis überraschend damit betraut, mit einem neuen Firmenwagen ein wichtiges Ersatzteil zu besorgen, zeigt sich zwischen anfänglicher Unsicherheit und wachsendem Selbstvertrauen ein realistisches Bild: Moderne Fahrzeuge mit Fahrassistenzsystemen bieten Sicherheit, aber sie ersetzen weder Aufmerksamkeit noch Erfahrung im Umgang mit neuen Situationen. Ablenkung, Selbstüberschätzung und Zeitdruck treffen auf neue Technik, Verantwortung für den Pkw oder Transporter und manchmal auch den Wunsch, sich zu beweisen.
Eine Unterweisung in ein neues Fahrzeug umfasst daher die fahrzeugspezifische Einweisung, die rechtliche Fahrer*innenunterweisung nach Unfallverhütungsvorschrift (UVV) sowie die Dokumentation der Übergabe. Sie ist gesetzlich vorgeschrieben, sobald Mitarbeiter*innen (auch Azubis!) einen neuen Dienst- oder Firmenwagen übernehmen. Weitere hilfreiche Informationen zur Übernahme und Übergabe von Fahrzeugen bietet auch die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG).
Mit der Übergabe eines Dienstfahrzeuges an Beschäftigte haben die Verantwortlichen im Unternehmen durch eine Unterweisung sicherzustellen, dass eine sichere Fahrt möglich ist und die Unfallgefahr verringert wird. Rechtliche Grundlagen dafür finden sich:
- im Arbeitsschutzgesetz (§ 7 und § 12),
- in der Betriebssicherheitsverordnung (§ 12),
- in der DGUV Vorschrift 1,
- in der DGUV Vorschrift 70 bzw. 71 (§ 35) und
- in der DGUV Regel 100-001 (Abschnitt 2.3).
Inhaltlich gehören zur Unterweisung folgende Aspekte:
- Fahrzeugübergabe inkl. des nötigen Zubehörs, z.B. Schlüssel, Fahrzeugpapiere, Versicherungsinformationen, Fahrtenbuch.
- Erläuterung der Bedienung und Nutzung des Fahrzeuges: Die Bedienung verschiedener Fahrzeuge kann sehr unterschiedlich sein, insbesondere vor dem Hintergrund unterschiedlich verbauter Fahrassistenzsysteme. Dabei müssen die Beschäftigen in die korrekte und konkrete Bedienung des Fahrzeuges und der jeweiligen Sicherheitseinrichtungen (z.B. abschaltbare Fahrassistenzsysteme, ggf. Ladungssicherungselemente) unterwiesen werden. Besonders bei Elektrofahrzeugen ist dies relevant, da sich die Bedienelemente sowie der Antrieb stark von Verbrennerfahrzeugen unterscheiden.
- Erläuterung von Verkehrsregeln und Verhaltenshinweise: Die Beschäftigten müssen über die Verkehrsvorschriften aufgeklärt werden. Dabei sollten insbesondere Änderungen von bestehenden Regeln thematisiert werden. In diesem Rahmen sind auch Verhaltensweisen zu thematisieren, die vom Unternehmen gefordert werden, wie z.B. der Umgang mit Alkohol, Drogen, Telefonieren etc. Ggf. existieren hierzu auch firmeneigene Betriebsvereinbarungen oder Dienstanweisungen, auf die es seitens des Unternehmens hinzuweisen gilt.
- Hinweise zum Verhalten bei Unfällen: Die Beschäftigten müssen darüber aufgeklärt werden, wie sie sich bei einem Unfall zu verhalten haben. Dazu gehört auch die Sicherung der Unfallstelle, Erste Hilfe und Eigenschutz der Beschäftigten sowie wer wann zu benachrichtigen ist, z.B. die Polizei (für Versicherungszwecke) und die zuständige Stelle/Person im Unternehmen.
- Hinweise zur Wartung und Pflege: Die richtige Pflege und Wartung eines Fahrzeuges dienen dazu, Schäden vorzubeugen und damit Unfallgefahren zu reduzieren. Auch ist es hilfreich zu zeigen, wo, wie und mit was das Fahrzeug betankt werden muss.